Waldmeister, eine Götterspeise

Ich freu mich, Simone von S-Kueche ist heute wieder einmal bei mir zu Gast und sie hat selbst gemachte Waldmeister-Götterspeise mitgebracht. Das Rezept ist so großartig, schaut es euch gleich an, die Bilder sind grandios – ich will gar nicht viel sagen, denn mir fehlen vor Freude und vor lauter Staunen tatsächlich einmal die Worte. Schaut selbst:

Als Miho um einen Gastbeitrag zum Thema „Kindheitserinnerungen“ und „regionale Klassiker“ bat, blitzte es in meinem Kopf in Bruchteilen von Sekunden giftgrün auf. So sah nämlich nicht nur eines  meiner liebsten Kindheits-Nachspeisen aus, es ist außerdem regional, ein Klassiker sowieso. In Amerika wird Waldmeister oft als typisch deutscher Geschmack bezeichnet, warum eigentlich?

Nun, aus meiner Kindheit in Hamburg ist der Waldmeistergeschmack jedenfalls nicht wegzudenken.

Jetzt ist mein heutiges Dessert aber weder richtig grün, noch schmeckt es wie der bekannte Gummikram aus Kindertagen. Denn der Waldmeistersirup ist fast durchsichtig und ich verwende natürlich keine synthetischen Farbstoffe. Verblüfft lese ich des Öfteren, dass bei den Rezepturen auf jegliche Farbstoffe verzichtet wird, aber Pfefferminzlikör als Aromaträger hinzugefügt wird, der passenderweise giftgrün ist! So mogle ich die Farbe selbstverständlich nicht hinein. Ich habe ein paar Versuche mit Spinatmatte, dem schönen Grün des Spinats unternommen. Leider schmeckt der Spinatgeschmack trotz allen gegenteiligen Behauptungen schnell durch und ich habe nur ein klitzekleines bisschen an meine Göttersteise gegeben. Entweder habe ich das Isolieren des Farbstoffes nicht gut genug hinbekommen, oder es ist in meinem Laienlabor nicht besser möglich. Wer es selbst ausprobieren möchte, hier ist eine einfache Anleitung dafür. Ich bleibe jedenfalls dran und probiere es weiter!

Was gibt es also heute?

Waldmeister-Götterspeise, gefüllt mit Vanillesauce und Waldmeister-Sago-Panna Cotta auf Fruchtspiegel

Für die Waldmeister Götterspeise habe ich erst einmal Waldmeistersirup bereitet. Diesen habe ich später mit Gelatine und einem Hauch Grün zur Götterspeise verarbeitet. Da ja einfache Götterspeise viel zu langweilig wäre, habe ich mir den kleinen Vanillersaucentrick ausgedacht: Mit einem zylindrischen Gegenstand wird nicht ganz mittig ein Stück aus der gelierten Masse herausgestochen, ähnlich, wie ein Apfelausstecher das Kerngehäuse entfernt. Leider ist der Apfelausstecher etwas zu klein für diesen Zweck. Ihr müsst euch also etwas geeignetes  mit 2-3 Durchmesser suchen.  An alle Westerngitarristen: Ein Bottleneck wäre perfekt!

Statt der Sago Panna Cotta, die ich einfach gerne ausprobieren wollte, könnt ihr natürlich eine normale Panna Cotta mit Waldmeisteraroma zubereiten

So Geht’s:

Waldmeistersirup

Zutaten für den Waldmeistersirup

750 ml Wasser 500  g Zucker 1 Bund Waldmeister 2 Scheiben Bio-Zitrone

Zubereitung

  1. Das Wasser mit dem Zucker etwa 10 Minuten köcheln lassen, bis die Flüssigkeit ganz klar ist. 2. 1 Bund Waldmeister und die Zitronenscheiben mit der Flüssigkeit übergießen und in einem geschlossenen Gefäß einige Tage ziehen lassen, dieses dabei öfter schütteln. Nach dem Ziehen die Zitrone und den Waldmeister entfernen.

Schön: Galium odoratum wird von den Angelsachsen auch wild baby’s breath genannt

Die Angaben sind für ungefähr 4 Portionen:

Götterspeise

Zutaten für die Götterspeise

500 ml Waldmeistersirup 100 ml Wasser 6 Blatt Gelatine eventuell grüne Speisefarbe aus Spinat.

Zubereitung der Götterspeise

  1. Flüssigkeiten erwärmen und die zuvor eingeweichte und ausgedrückte Gelatine hinzugeben, gut umrühren und in geeignete Schälchen oder Gläser füllen. 2. Wenn die Masse zu gelieren beginnt, die Deko Waldmeisterblätter vorsichtig an die gewünschten Stellen gleiten lassen (Pinzette). Für einige Stunden kühl stellen.

Vanillesauce

Zutaten für die Vanillesauce

1/2 Vanilleschote 2 Bio-Eigelb 50g Zucker 1 gestr. El Stärke 250 ml Vollmilch, oder halb Milch halb Sahne

Zubereitung der Vanillesauce

  1. Die Milch mit dem ausgekratzten Mark und der Vanilleschote fast zum Kochen bringen. Den Topf  15 Minuten beiseite stellen. Danach die Schote herausnehmen. 2. Die 5 Eigelb mit dem Zucker 1-2 Minuten weiß-schaumig schlagen. Die Stärke unterrühren. Nun die Milch langsam, unter ständigem Rühren, tröpfchenweise zu der Eimasse geben, um sie zu temperieren. 3. Anschließend die Eiermilch zurück in den Topf geben und bei mittlerer Hitze so lang weiterrühren, bis sie andickt.

Waldmeister Panna Cotta mit Sago

200 ml Sahne 5 El Waldmeistersirup 65 g Sago Sago mit den Flüssigkeiten zum Kochen bringen. Bei minimaler Hitze mindestens 20 Minuten Quellen lassen, bis die Sagokörner durchsichtig werden. Eventuell etwas Flüssigkeit nachgießen. Die Masse in flache, runde Förmchen geben, einige Stunden kühl stellen.

Fruchtsauce

1-2 Tl Speisestärke in wenig kaltem Wasser glatt rühren 250 g Früchte nach Wahl mit einer halben Tasse Wasser, Zucker nach Gusto und der Speisestärke  einige Minütchen köcheln lassen. Ob ihr die Früchte passiert oder nicht, bleibt euch überlassen, ich mache es mal so mal so. Es ist reichlich Sauce, aber eine so winzige Menge herzustellen, wie hier benötigt wird, lohnt sich kaum. Man kann die restliche Sauce ja anderweitig verwenden.

Fertigstellen

Die Sago Panna Cotta lässt sich mit den Händen seitlich aus der Form schieben. Sie wird auf etwas Fruchtsauce platziert. Die zylindrische Aussparung für die Vanillesauce wird wie oben beschrieben aus der Waldmeister Götterspeise ausgestochen und mit Vanillesauce aufgefüllt. Ein wenig mit Waldmeister dekorieren. So, ich hatte meinen kindlichen Spaß mit meiner Götterspeise und ihr hoffentlich auch. Liebe Miho, es war schön bei dir zu Gast zu sein!

Noch  eine knappe Woche lang könnt ihr eure regionalen  Event-Beiträge  in der S-Küche einreichen:
Simone, du bist immer ein gern gesehener Gast auf herzelieb! Ich freue mich immer, dich hier begrüßen zu dürfen. Ich liebe Waldmeister Götterspeise – wie witzig, dass wir das vorher nicht abgesprochen haben. Fühl dich umarmt und gedrückt!
Simone von S-Kueche war schon mit einem anderen wundervollen Rezept auf herzelieb Gast – sie hatte ein wundervolles Cornbread mitgebracht. Schaut es euch an!
An Simones regionalem Event habe ich mit Krabben, Spinat zu Bandnudeln teil genommen.

Last updated by at .

Veröffentlicht von Michaela Lühr

Seit Februar 2013 schreibe ich meinen Foodblog herzelieb. Herzhafte Gerichte und süße Leckereien sind hier zu finden. Es lohnt sich also vorbeizuschauen. Foodblogger | Foodblog | Imkerin | Heilpraktikerin | Ernährungsberaterin

8 Kommentare

  1. Waldmeister habe ich in Massen – nur leider blüht der schon. Nach einer Überlieferung ist dieser dann für dieses Jahr verloren. Oder kann ich den doch noch einsetzen?
    LG, Holger

    • Hallo lieber Holger,
      ich bin mir da auch nicht sicher, ich verwende ihn nicht mehr, wenn er blüht.
      Leider finde ich selbst im Netz keine zuverlässigen Informationen.
      Lieber Gruß
      miho

      • Grüße, Michaela! Tja, das ist das Dilemma. Auch hier sagt jeder was anderes. Ich gehe dann lieber mal auf Nummer sicher, nehm´ davon nichts mehr. Und für nächstes Jahr stelle ich mir einen Wecker ;-)

        Danke für die Auskunft, wünsch´ Dir einen schönen Feiertag.
        LG, Holger

        • Hallo Holger,
          ich fühle mich fast in Versuchung geführt, es einfach mal auszuprobieren. Was meinst du?
          Alles Liebe
          miho

  2. Wenn Spinatmatte einen Spinatgeschmack hinterlässt, wie wär’s mit anderem Grünzeug als Färbemittel? Vielleicht sogar Waldmeister? Robert https://lamiacucina.wordpress.com/2008/09/23/es-grunt-so-grun/ hat seinen Extrakt wohl auch schon aus anderem Grünzeug gemacht – ich könnte mir hier gut z.B. eine Mixtur aus viel Waldmeister, etwas Minze, Zitronenmelisse, Himbeer- und Brombeerblättchen und ähnlichem vorstellen. Selbst wenn ein kleines bischen Geschmack durchscheint, könnte das ganz gut dazu passen.
    LG, Simon

    • @ Simon: die Idee ist nicht schlecht, aber von „viel Waldmeister“ in dem Grünextrakt würde ich abraten, bei dieser Art der Zubereitung könnte die Konzentration von Cumarin hoch werden – die Folge wären Vergiftungserscheinungen wie Kopfschmerz und Übelkeit.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Mit der Abgabe meines Kommentars erkläre ich mich mit der Speicherung und Verarbeitung meiner Daten durch diese Website einverstanden.*
(Dein Name und die E-Mail Adresse werden benötigt, damit ich dich zuordnen kann. Diese Daten werden nur für diesen Zweck gespeichert und auf deinen Wunsch gelöscht. Eine ausführliche Erläuterungen zur Speicherung und Verarbeitung von personenbezogenen Daten kannst du in meiner Datenschutzbestimmungen nachlesen.)