Baba au Brennivin – auf Weltreise in Island

Ich nehme an einer Weltreise teil! Die Einladung kam von der wundervollen Sarah, die mit dem Blogevent „eine kulinarische Entdeckungreise“ eine sensationelle Idee hatte. Jetzt bloggen sich mehr als 40 Blogger dienstags und freitags um die Welt. Ich nehme euch nach Island – das Land der Vulkane, der Geysire, der Gletscher und der Traditionen – mit. Im Gepäck habe ich für euch ein Rezept für Baba au Brennivin.

Das Nationalgetränk der Isländer ist Kaffee. Der traditionellste Schnaps ist Brennivin, was übersetzt Branntwein heißt. Im Grunde ist dieser Kuchen die isländische Abwandlung des Baba au Rhum, einem süßen Hefekuchen. Er wird in einer flachen Napfform mit Loch (Savarin-Form) gebacken und noch warm mit einer Mischung aus Läuterzucker und Rum getränkt, bis er richtig schön saftig und schon fast durchnässt ist. In Island wird der Rum durch Brennivin ersetzt, eine Art Aquavit mit Kümmelaroma, der normalerweise eisgekühlt als Digestif getrunken wird. Baba au Brennivin kann in der Mitte mit Sahne gefüllt und natürlich am liebsten mit Heidelbeeren serviert werden. 

Island ist die größte Vulkaninsel der Welt und liegt sehr nah am Polarkreis, südöstlich von Grönland. Auf der Insel ist das Klima durch den Golfstrom zwar milder als in den anderen skandinavischen Ländern, allerdings liegen die Durchschnittstemperaturen im Sommer auch nur zwischen 12 und 14 Grad. Das Landesinnere – das isländische Hochland – ist kaum bewohnt, dort befinden sich zu einem großen Teil Lava-Wüsten und Gletscher. Kaum verwunderlich, dass der Getreide- und Gemüseanbau traditionell auf Island so gut wie nicht betrieben wird. Auch heute wird nur ca. 1% des fruchtbaren Landes für den Ackerbau genutzt – auf dem Rest wird Vieh gehalten. Brot spielte viele Jahrhunderte wegen des fehlenden Getreides auf Island keine Rolle, später wurde dann Rúgbrauðn, ein süßliches Roggenbrot, auf dem Seeweg aus Dänemark importiert. Dank moderner Supermärkte ist es heute aber auch üblich Weizenmehl zu verwenden.

Die traditonelle isländische Küche ist einfach und sehr herzhaft! Die Bevölkerung Islands lebt seit Jahrhunderten entlang der Küstenlinie, deswegen war Fisch immer die Grundlage der Speisepläne. Gegessen wurden aber auch Seevögel und deren Eier. Moos wurde als Mehlersatz genutzt und Wildbeeren, wie z.B. Heidelbeeren, sorgten für die Vitaminversorgung. Zu den wenigen Gemüsesorten, die auf Island wachsen, gehören Rhabarber, Rüben und Kohl. Traditionelle Speisen, Þorramatur genannt, werden im modernen Island fast nur noch zu Weihnachten gegessen oder an Þorrablót (dem isländischen Winterfest im Januar-Februar) gekocht. Sauer eingelegte Hammelhoden, Moossuppe, gesengter Lammkopf, fermentierter Hai oder Rochen gehören zu diesen traditionellen Gerichten. Gewöhnungsbedürftig, wie ich finde, aber verständlich! Denn im Winter lebte man von den Vorräten. Es wurde gegessen, was vorher eingelegt, eingesalzen oder geräuchert wurde.
Nur wenige der traditionelle Lebensmittel sind auch heute noch auf dem Speiseplan der Isländer zu finden. Dazu gehören Skyr (ein Molkeprodukt, das an Quark oder Joghurt erinnert und welches in Rezepten nur schwer ersetzt werden kann), Hangikjöt (übersetzt heißt das Hängefleisch, geräuchertes Lammfleisch) und Stockfisch.

Die moderne isländische Küche unterscheidet sich nicht grundlegend von der Küche der übrigen skandinavischen Länder, aus denen viele Lebensmittel importiert werden. Fisch, Lamm und Rind sind immer noch die Säulen des Speiseplans, insgesamt wird aber feiner als zu früheren Zeiten gekocht.

Als typischste isländisches Gebäck möchte ich Kleinur nennen, eine Siedegebäck, welches zur Alltagsküche während des ganzen Jahres in Island gehört. Dieses Gebäck ist in Skandinavien und bei uns im nördlichen Schleswig-Holstein auch weit verbreitet. Allerdings ist es ein  typisches Weihnachtsgebäck für uns und nennt sich in Nordfriesland „Krumme Jungs“. Deswegen wird es das Rezept dafür auf meinem Blog erst im November oder Dezember geben und heute gibt es das Rezept für Baba au Brennivin:

Rezept für Baba au Brennivin

Zutaten für Baba au Brennivin

50 ml Milch
80 g Butter
1 Päckchen Trockenhefe
30 g Zucker
1 Esslöffel Vanillezucker
30 ml  lauwarmes Wasser
200 g Mehl
2 Eier

etwas Mehl zum Bestäuben
etwas Butter für die Formen

Zutaten für den Läuterzucker
150 ml Wasser
180 g Zucker
ca. 75 ml Brennivin

Für die Füllung
2 Becher Sahne
frische oder TK-Beeren

Zubereitung Baba au Brennivin

Zuerst die Milch erhitzen und die Butter darin schmelzen.
Kurz abkühlen lassen und in der Zwischenzeit die Hefe, den Zucker, Vanillezucker und das lauwarme Wasser verrühren. Eier mit dem Handmixer oder in der Küchenmaschine schaumig schlagen und unter ständigem Rühren zuerst die Hefe-Zucker-Mischung, dann das Milch-Butter-Gemisch hinzufügen. Zum Schluß das Mehl dazu geben und den entstandenen Teig mehrere Minuten kräftig kneten.

Etwas Mehl in eine Schüssel geben, den Teig zu einer Kugel formen und abgedeckt mit einem feuchtem Geschirrtuch ca. 90 Minuten gehen lassen.
Nach dieser Gehzeit den Teig noch einmal gut durchkneten, die Backformen leicht ausfetten und zu einem Drittel mit dem Teig befüllen. Erneut mit einem feuchten Tuch abdecken und weitere 60 Minuten gehen lassen.

Backofen auf ca. 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen und die Babas darin ca. 25 Minuten backen.
In der Zwischenzeit für den Läuterzucker das Wasser mit dem Zucker aufkochen, bis er sich vollständig aufgelöst hat. Abkühlen lassen und dann den Brennivin dazu geben.
10 Minuten müssen die Kuchen in der Form abkühlen, dann werden sie gestürzt. Die Babas werden jetzt immer wieder mit dem Läuterzucker bestrichen, bis sie völlig damit getränkt sind.

Sahne schlagen und in die Mitte des Kuchens geben, mit Beeren bestreuen und servieren.
Meine Beeren sind aus dem Froster, ein kleines Stück Glück hab ich mir da eingefroren.

Für eine alkoholfreie Variante würde ich empfehlen, dem Läuterzucker statt des Brennivin einfach Orangensaft hinzuzufügen.


Übrigens haben die Nordamerikaner gerade den Kult-Kartoffel-Schnaps Brennivin entdeckt, der eigentlich mal dazu diente den strengen Geschmack von fermentierten Haifisch- oder Rochenfleisch zu neutralisieren, welches traditionell zum Þorrablót (traditionelles Winterfest) gereicht wird. Das schwarze Etikett wurde usprünglich entwickelt, um den Schnaps unattraktiv zu machen. Leider ging dieses Vorhaben in die falsche Richtung, denn heute ist der Schnaps auch wegen des Etiketts Kult und es wird noch heute auf jede Flasche von Hand aufgeklebt.
Solltet ihr mal nach Island kommen, schaut in der Brennerei vorbei. Ihr findet sie in dem kleinen Dorf Bogarnes. Glaubt man den Sagen und Geschichten, hat hier Egill Skalla-Grímsson, einer der ersten Wikingerhäuptlinge sich auf Island niedergelassen.

Jetzt wünsch ich euch einen tollen Tag und viel Spaß bei den weiteren Reisezielen dieser kulinarischen Weltreise.

Alles Liebe und bis Mittwoch, denn ich mache mich heute auf den Weg nach Frankfurt zur Ambiente.
miho

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Veröffentlicht von Michaela Hoechst-Lühr

Seit Februar 2013 schreibe ich meinen Foodblog herzelieb. Herzhafte Gerichte und süße Leckereien sind hier zu finden. Es lohnt sich also vorbeizuschauen.

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15 Kommentare

  1. Ohhh, was für ein wundervoller Post. Jetzt will ich noch ein bisschen mehr nach Island! Klingt alles so spannend und ganz anders… Ich fürchte nur, mein Mann würd nix zu essen finden nach dem was du beschreibst.
    Hab einen hübschen Tag, Tobia

    • Liebe Tobia,
      dein Mann wird schon was zu essen finden 😉
      Im modernen Island wird wie in anderen skandinavischen Ländern gegessen.
      Keine Angst und macht euch auf die Socken nach Island.
      Alles Liebe
      miho

  2. Liebe Miho,
    schon bei Hefekuchen hattest Du mich. Ich liebe dieses süß-fluffige Gebäck. Aus Island kannte ich bisher wirklich noch gaaaar nichts umso schöner zu sehen, dass es auch hier solch tolle Leckereien zu finden gibt. Wenn Alex und ich dann im Sommer dann hoffentlich nach Island reisen, wissen wir also schon Bescheid. Ich danke Dir. 🙂
    Liebe Freitagsgrüße
    Sarah

  3. Das ist ja mal eine ausführliche Reiseleitung gewesen, liebe Miho. Super interessante Fakten über Island, das meiste davon war neu für mich. Dazu noch die schönen Bilder 🙂
    Danke und liebe Grüße, Caro

  4. Diese traditionellen Gerichte stelle ich mir ja auch spannend vor. Im Garten hätte ich Moos, ob ich damit mal Suppe mache?! 😉

    Isländisch Moos hatte ich früher gerne gegen Erkältungen. Aber da ist mir der Brennivin glaube ich inzwischen lieber, gerne auch mit Baba. Sieht schön aus!

  5. Ein toller Bericht, mit spannenden Infos, klasse Rezept und super Fotos! Ich frage mich nur, ob der Kuchen durch den Schnaps eine Kümmel-Note bekommt?! Das wäre nicht so meins und dann würde ich lieber die Kinder-Variante mit Orangensaft probieren 😉
    Ein schönes Wochenende und liebe Grüße,
    Daniela

  6. Wow, das klingt richtig spannend! Mit der isländischen Küche bin ich noch gar nicht in Berührung gekommen, aber bei diesem Kuchen wurde ich es auf einen Versuch ankommen lassen 🙂 Danke für die tollen Infos. Lg Carina

  7. Liebe Miho,
    das ist ja schon mal ein spannender Einblick für Island. Interessante Dinge werden dort verspeist ;). Ich glaube, ich bleibe jetzt erst mal bei Deinem fluffigen Kuchen und beim Schnappes :-D.
    Liebe Grüße
    Claudia

  8. Pingback: Ich nehm’ euch mit nach Südafrika – Koeksister {Eine kulinarische Entdeckungsreise} | SweetPie

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