Pharisäer Rezept – Kaffee Getränk mit Seele aus Nordfriesland

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Das beste Rezept für Pharisäer – dem Kaffee, an dem man die Hände, das Herz und die Seele wärmt – zu finden, wird nicht leicht sein. Jede Hausfrau in Nordfriesland, ob auf Sylt, in Husum, auf Pellworm, Amrum, Föhr, den Halligen oder Nordstrand beansprucht für ihr Rezept dieses Prädikat. Ehrlich gesagt gibt es kein allgemein gültiges Rezept – lediglich für Gaststätten und Cafes hat man sich (sogar per Gerichtsurteil) auf Mengenangaben festgelegt. Im Alltagsleben werden die Zutaten aus dem „Handgelenk“ zusammengefügt. Pharisäer darf nicht umgerührt werden, man trinkt ihn durch die Sahnehaube – hält man sich in Gaststätten nicht daran, wird eine Lokalrunde Pharisäer fällig.

Pharisäer schmeckt am besten mit handgebrühtem Kaffee, frischer Schlagsahne und einem guten Rum. Wer glaubt, dass das Rezept aus alten Tagen einfach in die heutige Zeit der Kaffeemaschinen und Kaffeeautomaten übertragen werden kann, der irrt. Es gehört ein bisschen mehr zu einem wirklich guten Pharisäer und deswegen habe ich euch das Rezept mitgebracht:

Pharisäer – mein Rezept für den Kaffee mit Seele

Du findest auf herzelieb noch mehr Rezepte aus der Küstenküche. Schau dir doch mal die Tote Tante, den Bierpunsch oder den nordfriesischen Apfel-Schmand-Kuchen an!

Zutaten für den Pharisäer

  • 1 Tasse starker, handgebrühter Kaffee
  • 40 ml brauner Rum
  • frische Schlagsahne (ungesüßt)
  • 2 Hände voller Liebe
  • 1 Stück Würfelzucker

Pharisäer – die Zubereitung

  1. Zuerst den Würfelzucker in eine angewärmte haushaltsübliche Tasse legen.
  2. Darüber den angewärmten braunen Rum gießen und anschließend mit dem handgebrühten Kaffee auffüllen.
  3. Zum Schluss den duftenden Pharisäer mit einem ordentlichen Klecks sehr steif geschlagener Sahne vollständig abdecken und liebevoll servieren.
Tipps
  • Sprühsahne ist kein angemessener Ersatz für die selbst aufgeschlagene Sahne. Sie schmeckt nicht, ist nicht steif genug und deckt deswegen den Geruch nicht annähernd so gut ab. Außerdem fällt sie viel zu schnell in sich zusammen.
  • Einen Pharisäer trinkt man niemals mit einem Strohhalm! Lasst euch nichts erzählen. Der einzige Stilbruch, den ich durchgehen lasse, sind die Schoko-Raspeln auf der Sahne – die sehen sehr hübsch aus, gehören traditionell allerdings auch nicht zu einem Pharisäer.
  • Ich messe den Rum für meinen Pharisäer nicht ab! Das beste Rezept findest du selbst, wenn du den Pharisäer aus guten Zutaten so mischst, dass er dir schmeckt. Und wer keinen Kaffee mag, der trinkt einfach eine Tote Tante – noch so eine leckere Sache aus Nordfriesland.
 
Die Geschichte des Pharisäers

Pharisäer in einer hohen Tasse mit Fuß mit „Pharisäer-Schriftzug“ zu servieren, wurde für die Touristen erfunden. Traditionell kommt dieses Kaffeegetränk in einer ganz normalen Tasse auf den Tisch. Wer die Geschichte des Pharisäers kennt, versteht warum das so ist:

Erfunden wurde der Pharisäer als Getränk wohl bei einer Kindstaufe auf der Halbinsel Nordstrand im 19. Jahrhundert. Der strenge und abstinente Pastor Georg Bleyer, der stets gegen den Alkohol wetterte, saß als Gast an der Kaffeetafel. In Gegenwart des Pastors wurde Kaffee getrunken, die Nordfriesen trauten sich nicht, mit einem Schnaps auf das Taufkind anzustoßen. Bauer Johannsen, der Gastgeber, konnte sich eine Taufe ohne ein anständiges „Prost“ nicht vorstellen und griff zu einer List:

Er ließ den Kaffee auf die oben beschriebene Art und Weise zubereiten. Die dicke Sahnehaube verhinderte, dass der Pastor – welcher als einziger normalen Kaffee serviert bekam – den Rum riechen konnte.
Aber die Gäste auf der Taufgesellschaft wurden immer fröhlicher und Pastor Bleyer wurde misstrauisch. Heimlich nippte er an der Tasse seines Tischnachbarn, entdeckte den Verrat und rief entsetzt: „Oh, ihr Pharisäer“. So wurde nicht nur das Kind, sondern auch das Getränk getauft.

Wäre der Pharisäer in der Touristen-Tasse mit Fuß serviert worden, hätte diese List wohl kaum funktioniert. Deswegen trinken wir in Nordfriesland unseren Pharisäer auf die althergebrachte Weise – aus einer ganz normalen Kaffeetasse. Ganz nebenbei bemerkt, kenne ich nur wenige Haushalte in der es eine spezielle Tasse für das geliebte Kaffee-Getränk gibt.

Gibt es in deiner Heimat oder deiner Region auch ein Getränk mit Tradition? Vielleicht magst mir verraten welches es ist? Ich bin total neugierig!

In diesem Sinne, alles Liebe und Prost
miho

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