Rübenmus Rezept von Oma – mit Kassler und Kochwurst

Mein Rezept für Rübenmus ist ganz einfach! Dieses Gericht ist in ganz Schleswig-Holstein und Skandinavien bekannt und es gehört zu den traditionellen Herbst- und Wintergerichten. Zumindest bei uns kommt es im Herbst und Winter fast jede Woche auf den Tisch. Warum es aber oft nur „Holsteiner Rübenmus“ oder „Rübenmus Holsteiner Art“ genannt wird, kann ich auch nicht erklären! 

Die Norweger sagen Kålrotstappe (med potet og gulrot) dazu, in Schweden wird das Gericht Rotmos genannt und sogar auf Island ist es bekannt! In vielen Fällen dient das Rübenmus als Beilage, aber für uns ist es, zusammen mit Kassler und Kohlwurst, ein vollständiges und heißgeliebtes Mittagessen. 

Rezept für Rübenmus

Du magst Hausmannskost? Dann schau dir doch auf jeden Fall einmal meine Erbsensuppe, die Linsensuppe oder das Labskaus an!

Zutaten für das Rübenmus

  • 1 kleine Steckrübe (500 g)
  • 300 g Karotten
  • 500 g Kassler Nacken
  • 250 g geräucherten Speck
  • 500 g Kartoffeln
  • 1 Prise Liebe
  • 4 Mettenden (Kohlwürste)
  • evtl. Gemüsebrühepulver
  • Salz und Pfeffer
  • etwas Muskat
  • Senf

Rübenmus Rezept – die Zubereitung

Die Steckrübe und die Karotten schälen und anschließend in gleichmäßig große Stücke schneiden. Den Kassler Nacken und den geräucherten Speck in einen großen Topf geben, die Gemüsestücke darauf legen und etwa 2 Liter Wasser dazu gießen. Den Topfinhalt aufkochen und dann die Hitze reduzieren. In etwa 2 Stunden gemütlich garen, bis das Gemüse weich ist.

Nach etwa einer Stunde die Kartoffeln schälen, klein schneiden und in einem separaten Topf in etwa 20 Minuten weich kochen. Sobald die Kartoffeln gar sind, abgießen und zur Seite stellen.

Nun den Kassler Nacken und den Speck aus dem Topf nehmen und etwas abkühlen lassen. Dann das Fleisch in kleine Stücke schneiden und zur Seite stellen. 

Das Gemüse abgießen (Kochflüssigkeit auffangen) und zurück in den Topf geben. Jetzt die Kartoffeln und  etwa 250 ml von der Kochflüssigkeit dazu geben und alles zusammen stampfen, bis die Konsistenz erreicht ist, die man gern mag.  Bei Bedarf ruhig mehr von der Flüssigkeit dazu gießen. Mit Pfeffer, Muskat und Salz oder Gemüsebrühe abschmecken.

Zuletzt noch das gewürfelte Fleisch unterheben und die Kochwürste auf das Rübenmus geben. Alles noch einmal etwa 10 Minuten ziehen lassen und dann mit Senf servieren.

Tipps
  • Ich verwende keinen Bauchspeck und ersetze ihn durch mehr Kassler Nacken.
  • Die Kochwürste steche ich leicht an, damit das Fett austreten kann und das Rübenmus kräftiger im Geschmack wird.
  • Rübenmus vegetarisch oder vegan ist für mich kaum vorstellbar. Wer aber ein starkes Rauchsalz verwendet, kann einen ähnlichen Geschmack erreichen.
  • Im Schnellkochtopf braucht der Rübeneintopf etwa ein bis eineinhalb Stunden. Beim langen und gemütlichen Kochen ziehen die Raucharomen jedoch besser in das Gemüse.
  • Ich habe kein Rübenmus Rezept für den Thermomix, weil es einfacher und schneller im Topf gekocht ist und mir persönlich auch zu sehr püriert wird im Gerät.
  • Rübenmus kalorienarm? Kann man machen, schmeckt aber meiner Meinung nach nicht!
  • Mit jedem Aufwärmen wird das Rübenmus besser! Es lässt sich wunderbar aufwärmen und ganz einfach einfrieren. 

Warum die Steckrübe oder Rübenmus viele Jahrzehnte sehr verpönt war

Steckrüben und auch Rübenmus hatten viele Jahrzehnte einen sehr schlechten Ruf. Meine Großeltern und Urgroßeltern konnten es kaum essen, denn eigentlich wurden Steckrüben nur als Schweinefutter angebaut. Kartoffeln waren das Grundnahrungsmittel in unserer Region seit dem 18. Jahrhundert.

Im ersten Weltkrieg waren die Getreidevorräte sehr früh aufgebraucht, Fleisch war fast nicht mehr vorhanden und so stieg der Kartoffelverbrauch auf ungefähr das Dreifache an. Gleichzeitig fiel die Kartoffelernte 1916 aufgrund des verregneten Sommers und Herbstes zur Hälfte der Kartoffelfäule zum Opfer. Noch dazu kam es in Deutschland zu einem frühen und starken Wintereinbruch. Kartoffeln wurden knapp und neben Graupen, wurden Steckrüben zum Ersatz. 

Die Vorräte an Steckrüben wurden in diesem Hungerwinter schon bald beschlagnahmt und rationiert. Von da an gab es Morgens, Mittags und Abends Steckrüben. Von 1914 bis 1918 starben in Deutschland etwa 800.000 Menschen an Unterernährung und es wären noch viel mehr ohne die Steckrübe gewesen. Über viele Jahre gehörten Steckrüben-Gerichte  wie das Rübenmus auf den Speiseplan in armen Familien. Wen wundert es also, wenn der Ruf in den letzten Generationen nicht überall gut war. 

Das Rübenmus von heute ist mit den Gerichten aus dem letzten Jahrhundert jedoch nicht zu vergleichen. Schon unsere Oma und meine Mutter kochten es mit fettem Kassler, Speck und Mettenden. Geschmacklich ist das ein echtes Fest!

Was ist eine Steckrübe, wie heißt sie woanders und was macht sie so vielseitig?

Die Steckrübe gehört, man mag es kaum glauben, zu den Raps-Pflanzen. Die Futter- und die Zuckerrübe gehören hingegen zu den Fuchsschwanzgewächsen, zu denen auch die Rote Bete oder der Spinat zählen. Der alte Name „schwedische Rübe“deutet schon an, dass die Steckrübe aus Schweden zu uns nach Deutschland kam. Vielleicht ist sie bei uns im Norden deswegen auch so bekannt und beliebt.

Ich bevorzuge für mein Rübenmus Steckrüben mit gelben Fruchtfleisch! Sie sind etwa ein bis zwei Kilo schwer und ihre Schale ist gelb-grünlich und am Blattansatz oft lilafarben. Die weißfleischigen Sorten eignen sich eher als Futter für Tiere.

Als ich 5 Jahre in der Eifel lebte, war ich verzweifelt auf der Suche nach der Steckrübe für mein Rübenmus, aber niemand kannte sie dort. Bei uns in Nordfriesland ist sie in jedem Supermarkt, an jedem Markt- und Straßenstand und in jedem Hofladen von September bis März erhältlich. Im Süden musste ich jedoch danach suchen. Ich habe sie dann als Erdkohlrabi gefunden – aber man sagt auch Wruke, Kohlrübe, Runkelrübe oder Butterrübe dazu. Wie heißt sie bei euch?

Habt ihr schon einmal Rübenmus gegessen? Für mich ist es immer wieder ein Fest und wir können hier zuhause davon auch nicht genug bekommen. Vielleicht magst du es ja mal ausprobieren!

Lass es dir schmecken und alles Liebe,
miho

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Veröffentlicht von Michaela Hoechst-Lühr

Seit Februar 2013 schreibe ich meinen Foodblog herzelieb. Herzhafte Gerichte und süße Leckereien sind hier zu finden. Es lohnt sich also vorbeizuschauen.Foodblogger | Foodblog | Imkerin | Heilpraktikerin | Ernährungsberaterin

8 Kommentare

  1. Hach, liebe miho! Ich liebe Rübenmus! Das ist absolut ein Gericht meiner Schleswig-Holsteiner Kindheit und ich wünsche es mir auch heute noch gern von Mama, wenn ich im Herbst oder Winter nach Hause komme. Der Geruch lässt gleich Erinnerungen hochkommen und Rübenmus wärmt einfach von innen. Danke, dass du es hier verbloggst. Ein toller Post! Liebe Grüße, Carina

  2. Hallo Miho,
    hört sich ja köstlich an, eine Frage, reicht es wenn die Kochwürste zum Schluß nur 10 min. mit in den Topf kommen zum Ziehen? Oder sollen sie vorher schon mitgekocht werden?
    Toll auch Deine Erklärung zur Steckrübe
    Liebe Grüße Tine

  3. Hallo miho,
    wieder so was norddeutsches, was ich nicht kenne! 😉
    Ich finde es immer super, wenn Du die authentischen klassischen Rezepte teilst. Die lese ich gerne. Und Steckrüben gibt’s inzwischen sogar bei uns.
    Liebe Grüße in den Norden!
    Barbara

  4. Hallo!
    Ich komme aus Hessen (Fulda) und bei uns gibt es jedes Jahr einmal bei meinen Großeltern oder Eltern „Unterkohlraben“, keine Ahnung der Name aber das Rezept ist fast gleich. Einfach richtig köstlich das essen!
    Oma hat allerdings beim kochen der Steckrüben gesagt: aufkochen, das Wasser erneuern und dann erst gar kochen, da gehen wohl Bitterstoffe oder so raus.

    Vielen dank für das Rezept, es ist so ein tolles Gericht!

    • Hallo Tanja,
      Ich probiere die Rübe vorher. Ist sie bitter, verarbeite ich sie nicht. Mit der Methode deiner Oma verliert man meiner Meinung nach viel Geschmack und Inhaltsstoffe.

      Alles Liebe,
      miho

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