Rezept für Kieler, die wir nicht Kieler Semmeln nennen! (Brötchen)

Diese Brötchen werden häufig als „Kieler Semmeln“ bezeichnet. Ich schwöre, ich kenn niemanden, der das jemals bei einem Bäcker Kieler Semmeln bestellt hätte. Das Wort Semmeln ist in unserem Sprachgebrauch praktisch nicht existent! Bei uns heißen sie einfach nur Kieler. Touristen sagen häufig auch Kieler Brötchen, aber für uns sind es einfach nur Kieläääär. Schön breit norddeutsch auf der zweiten Silbe gedehnt – du verstehst das schon!

Normalerweise ist dieses Brötchen ein helles, ganz weiches Brötchen, welches mit Weizenmehl Typ 550 gebacken wird. Ganz typisch ist die knusprige, leicht fettige, zerklüftete OberfIäche der Kieler! Ich habe mich entschieden, es mit Weizenmehl Typ 1050 zu backen, denn so haben sie etwas mehr Biss. Die Abwandlung für weiche, weiße Variante findest du in den Tipps nach dem Rezept. 

Kieler Brötchen – die etwas festere Variante

Du findest auf herzelieb noch mehr Brötchen Rezepte! Schau dir doch auch mal meine Kartoffel-Brötchen, meine Vollkorn-Dinkel-Brötchen oder die schwedischen Blaubeer-Marzipan-Brötchen an.

Zutaten für die Kieler Brötchen

  • 150 g lauwarmes Wasser
  • 1 Gramm Hefe 
  • 100 g Weizenmehl 1050
  • 50 g Weizenmehl 405
  • 60 g Schweinschmalz
  • 60 g Butter
  • 80 g Weizenmehl 1050
  • 270 g Weizenmehl 405
  • 1 Prise Liebe
  • 140 g lauwarmes Wasser
  • 20 g Zucker
  • 8 g Hefe
  • 8 g Salz
  • 20 g weiche Butter
  • etwas Salz

Zubereitung der Kieler Brötchen

  1. Zunächst das lauwarme Wasser in eine Schüssel geben und die Hefe einrühren.
  2. Beide Mehlsorten dazu geben und alles gut verrühren.
  3. Den Teig bei Zimmertemperatur 12 bis 14 Stunden (über Nacht) gehen lassen.
  4. Für das Kieler Fett das Schweineschmalz und die Butter gut miteinander verkneten und bis zum nächsten Tag in den Kühlschrank stellen
  5. Am nächsten Tag den Vorteig zusammen mit den übrigen Zutaten in die Rührschüssel einer Küchenmaschine geben und alles bei mittlerer Stufe ungefähr drei  Minuten verkneten. Anschließend noch einmal fünf bis sieben Minuten auf hoher Stufe kneten.
  6. Jetzt die Schüssel abdecken und an einem warmen Ort etwa eine Stunde gehen lassen.
  7. Das Kieler Fett (Schmalz und Butter) auf die Arbeitsfläche streichen und etwas Salz darauf streuen. 
  8. Nun den Teig in 10 Stücke aufteilen, zu Kugeln formen und „rundschleifen
  9. Die Teiglinge musst du nun „aufscheuern“. Du nimmst ein Teigstück und drückst es in das gesalzene Fett. Etwas hin und her scheuern, damit das Fett in die Oberfläche eingearbeitet wird.  Nicht zu zaghaft! Kieler müssen zerklüftet sein! 
  10. Die Kieler mit der gefetteten, gescheuerten Seite nach oben auf zwei mit Backpapier belegte Backbleche legen,  mit Folie abdecken und noch eine weitere Stunde gehen lassen. 
  11. Den Backofen auf 220 Grad vorheizen und die Teiglinge vor dem Einschieben in den Ofen mit Wasser besprühen.
  12. Nach 20 Minuten Backzeit die Kieler aus dem Ofen nehmen und nochmals mit Wasser besprühen.

Fertig sind die Kieler Brötchen. Diese Kieler schmecken mit jedem Belag. Für Menschen aus dem Rest der Republik sind sie vielleicht ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber die meisten werden zu echten Fans. Als ich das erste Mal Schleswig-Holstein in südliche Richtung verlassen habe, konnte ich gar nicht fassen, dass man woanders keine Kieler kennt. 

 

Tipps für die Kieler Brötchen

  • Es gibt nicht viele Abwandlungsmöglichkeiten für diese Brötchen. Am besten schmecken sie pur. Ohne Kräuter im Rezept, ohne Gewürze.
  • Der echte Geschmack der Kieler entsteht nur mit Schweineschmalz. Wer das nicht mag oder vegetarisch lebt, der ersetzt es durch Butter.
  • Wenn du helle, ganz weiche Kieler backen willst, nimm insgesamt 500 Gramm Weizenmehl Typ 550 und füge insgesamt nur 280 ml Wasser hinzu. 
  • Sehr lecker sind Kieler Semmeln auch mit Honig. Ersetze die Hälfte des Zuckers einfach. 

Wie backe ich diese Kieler Brötchen auf Vorrat?

Am Wochenende möchtest du bestimmt nicht schon 2 Stunden vor allen anderen aufstehen. Natürlich kannst du die fertig Brötchen einfrieren, aber meistens schmecken sie dann doch nicht so, wie man das gerne möchte.

Wenn ich Zeit habe, dann bereite ich ein doppeltes Rezept für diese Kieler zu. Ich backe sie dann nur 13 Minuten, lasse sie vollkommen auskühlen und verpacke sie in Gefriertüten. Für etwa einen Monat friere ich sie dann ein.

Wenn wir dann Kieler essen möchte, nehme ich die gewünschte Menge aus dem Froster. Ich lasse die Brötchen etwa 20 Minuten antauen. Den Backofen heize ich in der Zeit auf 200 Grad Umluft vor.

Alle Brötchen mit Wasser bestreichen, in Ofen legen und 5 bis 8 Minuten backen. Dann aus dem Ofen nehmen und genießen! 

Ich habe neulich gehört, dass industriell keine Backlinge für Kieler Brötchen hergestellt werden, weil diese typisch norddeutsche Spezialität im Rest der Republik so gut wie gar nicht bekannt ist. Wir kaufen selten Brötchen, aber wenn wir es einmal machen, dann sind neben den dänischen Birkes immer Kieläääär dabei!

Ich bin sehr gespannt, ob du die Kieler kennst – erzähl doch mal!

Alles Liebe,
miho

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Veröffentlicht von Michaela Lühr

Seit Februar 2013 schreibe ich meinen Foodblog herzelieb. Herzhafte Gerichte und süße Leckereien sind hier zu finden. Es lohnt sich also vorbeizuschauen. Foodblogger | Foodblog | Imkerin | Heilpraktikerin | Ernährungsberaterin

12 Kommentare

  1. Kieler = Urlaubsgefühl pur!
    Wir haben am letzten Wochenende einen Kurztrip nach St. Peter gemacht und mussten sogar für meine Eltern welche mitbringen :-)
    Ein Urlaub in Schleswig-Holstein ohne Kieler ist kein richtiger Urlaub.
    Aber jetzt gibt es ein Rezept, mit dem man sie vielleicht öfter im Jahr genießen kann.
    Herzlichen Dank dafür.

    • Liebe Lena,

      da freue ich mich aber wirklich sehr, dass es dir so geht. Ich hoffe, es hat geschmeckt. Aber denk dran, das ist Version mit etwas mehr Schmackes, weil ich ein weniger hoch ausgemahlenes Mehl verwendet habe!

      Alles Liebe,
      miho

  2. Ich kenne sie nicht, aber ich möchte sie uuunbedingt kennen lernen! Sehen toll aus und die Herstellung scheint gar nicht so schwer…

  3. Kindheitserinnerungen…. Witziger Weise kenn ich die unter Franzbrötchen, bin im Kieler Umland aufgewachsen. Ich meine aber auch, daß sie einen Hauch Zimt auf der Oberfläche hatten. War dann vor 15 Jahren irritiert war ich in Hamburg als Franzbrötchen bekam. War aber auch lecker
    ??
    Werde Dein Rezept die Tage mal backen..

    • Hallo Tanja,

      ja, die ursprünglichen Franzbrötchen, wie wir Schleswig-Holsteiner sind die, an die du dich erinnerst! Wir haben sie allerdings nie Franzbrötchen genannt.
      Hier in Nordfriesland kennt man die Variante mit Zimt nicht. Kieler sind weiche Brötchen mit einer eingearbeiteten Fettschicht.

      Alles Liebe und viel Spaß beim Nachbacken!
      miho

  4. Hallo Michaela,
    ich bin gebürtiger Kieler und mitlerweile 65 Jahre alt. Als Kind musste ich oft Brötchen beim Bäcker um die Ecke holen. Die im Rezept beschriebenen Fettsemmeln durften da natürlich nicht fehlen. Diese hießen bei uns allerdings einfach Semmeln, ohne die Ortsbezeichnung „Kieler“. Das sie auch „Kieler Semmeln“ genannt werden, habe ich erst vor wenigen Jahren erfahren, als ich mal in Fleckeby Brötchen gekauft habe.
    Auf jeden Fall freue ich mich, mal erfahren zu haben, was hinter dem Geheimnis dieser leckeren Spezialität steckt. Die werde ich auf jeden Fall zeitnah nachbacken.
    Vielen dank für das Rezept.
    Lemmy

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